In der Reihe “Politische Literatur im Landtag” wird Herr Zafer Şenocak aus seinem Buch “Deutschsein” am Donnerstag, 1. Dezember 2011, 19.00 Uhr im Landeshaus (Düsternbrooker Weg 70, Kiel) lesen.
Anmeldungen bis zum 24. November an Kirsten Mumm, kontakt&@ltsh.de oder Telefon 0431 988/1163. Der Eintritt ist frei, lediglich der Personalausweis ist erforderlich.
Die Lesung findet in Kooperation mit der Körber-Stiftung, Hamburg und dem Schleswig-Holsteinischen Landtag statt.
Die Deutschen sind nicht mit sich im Reinen. Sie sind stolz auf ihre multikulturelle Fußballnationalmannschaft und eine solide Volkswirtschaft – diskutierten aber im Herbst unvermittelt und erbittert über Integration und Zuwanderung. Im Kern ging und geht es hier um die Frage der Identität, stellt der Schriftsteller Zafer Şenocak fest. Die Frage, wer Deutscher ist, wer keinesfalls und wer es werden kann. Und was das überhaupt heißt: Deutschsein.
Die deutsche Identität ist von Brüchen geprägt. Die Deutschen haben keine positive Definition davon, wer sie sind und was sie ausmacht – manchmal haben sie nicht einmal Wörter dafür. Doch Sprache ist, so Şenocak, der Schlüssel zu Identität. Sie bildet nicht nur die Basis funktionaler Integration – sie bildet Heimat.
Die Vorstellung einer homogenen Nation ist längst durch millionenfache Zuwanderung widerlegt, die zeigt: Es gibt viele biografische Wege, Deutscher zu werden. Sucht man nach einer allgemeingültigen Folie des Zusammenlebens, sind alle Seiten gefordert.
Zafer Şenocak (50) ist Schriftsteller und Essayist. Er wurde in Ankara geboren, wuchs in Istanbul und München auf. Dort studierte er Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie.Seit 1989 lebt der Autor in Berlin.
23 Bände mit Lyrik, Prosa und Essays (zuletzt »Der Pavillon«, 2009) veröffentlichte er seit seinem Debüt 1983. Seine Werke wurden ins Englische, Französische, Italienische, Tschechische, Spanische und Türkische übersetzt. Şenocaks Beiträge zur islamischen Tradition und türkischen Identität in der Moderne erscheinen u. a. in der taz, im Tagesspiegel, in der Welt und im Deutschlandfunk.