Gedenken: 70. Jahrestag der Juden-Deportation im Norden
Kiel (dpa/lno) – Am 70. Jahrestag der Juden-Deportationen aus Schleswig-Holstein hat Landtagspräsident Torsten Geerdts (CDU) (s. Foto) zum Kampf gegen den neuen Rechtsextremismus in Deutschland aufgerufen. «Alle Demokraten müssen gemeinsam gegen rechte Gewalt stehen», sagte Geerdts am Dienstag in Kiel mit Blick auf die zehn Morde der rechten Terrorzelle «Nationalsozialistischer Untergrund» an neun Bürgern ausländischer Herkunft und einer deutschen Polizistin. «Wir können und dürfen uns keineswegs darauf ausruhen, nun über 60 Jahre lang ein demokratisches System in Deutschland zu haben», warnte der Landtagspräsident.
Er erinnerte an die Deportationen der Juden am 6. Dezember 1941 durch die Nazis. Damals waren 133 jüdische Menschen aus dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein zusammen mit 753 weiteren Juden aus Hamburg nach Riga in Lettland deportiert worden. Von den aus Schleswig-Holstein Verschleppten überlebten nur fünf Männer und drei Frauen. Die systematische Ermordung der europäischen Juden durch die Nazis während des Zweiten Weltkriegs forderte bis zu sechs Millionen Todesopfer.
An der gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung und der Universität Flensburg ausgerichteten Veranstaltung nahm auch die fast 90jährige Prof. Miriam Gillis-Carlebach aus Israel (s. Foto) teil und sprach mit dem Flensburger Historiker Prof. Dr. Gerhard Paul (s. Foto) über ihr Leben. Die Professorin für Pädagogik, Soziologie und jüdische Geschichte lebt in Ramat Gan in Israel und ist dort seit 1992 Leiterin des Joseph-Carlebach-Instituts an der Bar-Ilan-Universität.
Miriam Carlebach hatte großes Glück. Sie konnte 1938 als 16jähriges Mädchen mit einem Touristenvisum nach Palästina emigrieren und dort überleben. Ihr Vater, der Oberrabbiner Joseph Carlebach aus Hamburg, ihre Mutter Charlotte und ihre drei jüngsten Schwestern dagegen wurden von den Nationalsozialisten am 6. Dezember 1941 nach Riga verschleppt und wenige Monate später ermordet. Nur der jüngste Bruder überlebte die Deportation. Miriam Carlebach erfuhr erst nach dem Krieg durch ihn vom Schicksal ihrer Familie. Deutschland war daher für sie bis 1983 kein Land, das sie wieder aufsuchen wollte. Die deutsche Sprache wurde 45 Jahre lang in ihrer Familie nicht gesprochen. Erst 1983, aus Anlass einer Feierlichkeit zum 100. Geburtstag ihres Vaters, kam sie mit ihrem Mann nach Hamburg und sprach dort wieder deutsch, um verstanden zu werden. In der Folgezeit kam sie immer wieder nach Deutschland und befasste sich auch als Forscherin mit den Geschehnissen im KZ Riga-Jungfernhof. Gemeinsam mit Prof. Dr. Gerhard Paul gab sie 1998 den Band „Menora und Hakenkreuz“ heraus. Die große Beteiligung an der Gedenkveranstaltung im Landtag nahm sie mit sichtlicher Freude auf.
Weitere Redner der Veranstaltung waren der Leiter des Landesarchivs, Prof. Dr. Rainer Hering, (s. Foto rechts) und die
Flensburger Historikerin Dr. Bettina Goldberg (s. Foto links). Ihre Habilitationsschrift „Abseits der Metropolen. Die jüdische Minderheit in Schleswig-Holstein“ (Wachholtz-Verlag) ist frisch erschienen und kann auch bei der Landeszentrale für politische Bildung erworben werden. Die Vorträge der Veranstaltung werden Anfang 2012 in einer Broschüre von der Landeszentrale veröffentlicht.
Vor 70 Jahren, am 6. Dezember 1941, wurden 133 jüdische Menschen aus dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Schleswig-Holstein, zusammen mit weiteren 753 Juden aus Hamburg, nach Riga in Lettland deportiert. Von den aus Schleswig-Holstein Deportierten erlebten nur fünf Männer und drei Frauen das Ende des Krieges. Die anderen wurden Opfer des Holocaust.
Die Redebeiträge dieser Veranstaltung sind in einer Broschüre mit dem Titel: Gedenken 06.12.2011: 70. Jahrestag der Deportation der Juden aus Schleswig-Holstein veröffentlich. Diese kann hier heruntergeladen werden oder bei der Landeszentrale für politische Bildung, E-Mail: lpb-bestellungen&@landtag.ltsh.de für 2,00 € zuzüglich 2,50 € Versandpauschale bestellt werden.