50 Jahre Mauerbau

20.08.2011

“Mein bester Freund wohnt auf der anderen Seite”
Veranstaltung am 31. August für Schulklassen mit dem Autor und Liedermacher Stephan Krawczyk im Landtag

Stephan Krawczyk, Texter und Komponist, war einer der bekanntesten Oppositionellen in der DDR. Der heute 55-Jährige wurde in Weida/Thüringen in der ehemaligen DDR geboren wurde und lebt jetzt in Berlin-Neukölln. Im Jahre 1984 begann er zu schreiben, ein Jahr später erhielt er Berufsverbot. Nach der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 17. Januar 1988 wurde er in Berlin festgenommen und in der MfS-Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen inhaftiert. Am 2. Februar 1988 erfolgte gemeinsam mit Freya Klier die Abschiebung in den Westen.1990 erschien sein Buch „Schöne wunde Welt“ und 1992 die Erzählung „Mein Vater“. Seinen ersten Roman „Das irdische Kind“ publizierte er 1996. In den letzten Jahren veröffentlichte Krawczyk „Der Himmel fiel aus allen Wolken“ und „Mein bester Freund wohnt auf der anderen Seite“. Zu diesem jüngsten Buch hat er ein Programm mit Texten und Liedern für Schulklassen (geeignet ab Klassenstufe 9) entwickelt.

Interessierte Schulen können sich für die Veranstaltung am 31. August um 10:00 Uhr im Kieler Landeshaus, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel, bei der Landeszentrale anmelden. Kontakt: info&@lpb.landsh.de, Tel. 0431-988/5937.

Zu dem Thema “Der Bau der Berliner Mauer vor fünfzig Jahren im Gesamtzusammenhang der deutschen Geschichte”  bietet Dr. Klaus Kellmann, Dezernent der Landeszentrale an, auch bei Ihnen zu referieren. Wenn Sie Interesse haben,  setzten Sie sich mit dem Referenten in Verbindung. Honorarkosten fallen nicht an, lediglich die Fahrtkosten ab Kiel müssen erstattet werden.

Kontaktdaten des Referenten Dr. Klaus Kellmann
Tel.: 0431 988-5935
E-Mail: klaus.kellmann&@lpb.landsh.de

Ende der fünfziger Jahre setzte der SED-Machthaber Walter Ulbricht mit den Zwangskollektivierungen in der Landwirtschaft den letzten, planmäßigen Abschnitt der Umwandlung seines Staates im Sinne der marxistisch-leninistischen Ideologie durch. Die Antwort der Betroffenen artikulierte sich in einer Abstimmung mit den Füßen. Bereits Anfang der sechziger Jahre platzten die Notaufnahmelager für DDR-Flüchtlinge, z. B. im West-Berliner Marienfelde, aus allen Nähten. Der “erste deutsche Arbeiter- und Bauernstaat” stand vor dem Zusammenbruch. Ulbricht beauftragte seinen Vertrauten Erich Honecker mit dem Bau der Berliner Mauer, der am 13. August 1961 begann. Kennedy sah die US-amerikanischen Interessen nicht unmittelbar verletzt und akzeptierte die Mauer als “keine schöne Lösung, aber tausendmal besser als Krieg”. Im Schatten dieses Bollwerks vollzog Ulbricht im Rahmen des “Neuen Ökonomischen Systems der Planung und Lenkung“ (NÖSPL) Liberalisierungen und Reformen, die mit ihrem differenzierten Prämiensystem für die Arbeiter im Kern marktwirtschaftliches Denken beinhalteten. Das Ergebnis war eine sprunghafte Verbesserung der DDR-Bevölkerung mit Konsumgütern sowie eine merkliche Stabilisierung des gesamten Systems. Als Erich Apel, der “Vater” des NÖSPL, die Reformen bis hin zur faktischen Emanzipation von der Sowjetunion fortsetzen wollte, trieb Ulbricht ihn am 3. Dezember 1965 jedoch in den Selbstmord und kehrte zur klassisch marxistischen Orthodoxie zurück. Die von Ulbrichts Nachfolger Honecker ab 1971 realisierte “Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik” war, bedingt durch den kategorischen Primat der letzteren, der offene Weg in den Ruin, bereits 1983 war die DDR pleite. Als sich die Politiker in Westdeutschland, und zwar quer durch alle Parteien, bereits mit der Teilung abgefunden hatten, gaben ihnen die Bürgerrechtler der DDR am 9. November 1989 die einzig geeignete Antwort.

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