Gedenken an ermordete Juden
Gedenkveranstaltung
zur Erinnerung an die aus Schleswig-Holstein deportierten jüdischen Menschen
Vor 70 Jahren, am 6. Dezember 1941, wurden 133 jüdische Menschen aus dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Schleswig-Holstein, zusammen mit weiteren 753 Juden aus Hamburg, nach Riga in Lettland deportiert. Von den aus Schleswig-Holstein Deportierten erlebten nur fünf Männer und drei Frauen das Ende des Krieges. Die anderen wurden Opfer des Holocaust.
Aus Anlass dieser größten Deportation aus Schleswig-Holstein gedenken am 6. Dezember 2011 um 18.00 Uhr in einer gemeinsamen Veranstaltung der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtags, die Landeszentrale für politische Bildung sowie die Universität Flensburg der Ereignisse.
Zunächst wird der Leiter des Landesarchivs Schleswig, Prof. Dr. Rainer Hering, einen Überblick zur Judenverfolgung als Thema der schleswig-holsteinischen Landesgeschichtsschreibung geben.
Die Flensburger Privatdozentin Dr. Bettina Goldberg stellt anschließend ihre Forschungsergebnisse zur Deportation am 6.12.1941 vor. Es folgt eine szenische Lesung aus ausgewählten Dokumenten zum Thema.
Prof. Dr. Gerhard Paul von der Universität Flensburg beschäftigt sich in seinem Vortrag mit dem Tatort Riga und den Tätern.
Ein Gespräch des Flensburger Historikers mit Frau Prof. Miriam Gillis-Carlebach aus Israel, der Tochter von Joseph Carlebach, dem aus Lübeck stammenden letzten Oberrabbiners für Schleswig-Holstein und Hamburg rundet das Programm ab. Joseph Carlebach wurde zusammen mit seiner Frau und drei seiner jüngsten Kinder selbst Opfer der Deportation des 6. Dezember 1941.
PROGRAMM
Grußwort
Torsten Geerdts (Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtages)
Judenverfolgung als Thema der Landesgeschichte
Prof. Dr. Rainer Hering (Leiter des Landesarchivs, Schleswig)
Die Deportation der Juden aus Schleswig-Holstein am 6. Dezember 1941
PD Dr. Bettina Goldberg (Universität Flensburg)
“Auf nimmer Wiedersehen?”
Szenische Lesung mit dem Kieler Schauspieler Matisek Brockhues
Pause
Das Lager Riga-Jungfernhof und die Familie Carlebach
Prof. Miriam Gillis-Carlebach (Israel) im Gespräch mit Prof. Dr. Gerhard Paul
Endstation Riga-Jungfernhof: Tatzeit – Tatort – Tat – Täter
Prof. Dr. Gerhard Paul (Flensburg)
Bitte melden Sie sich an bei der Landeszentrale für politische Bildung unter Tel. 0431-988-5937 oder E-Mail info&@lpb.landsh.de oder Fax 0431-988-5942.
Pressebericht
Erste Gesamtdarstellung der Geschichte der Juden im Norden
Kiel (dpa/lno) – Exakt 133 Juden aus Schleswig-Holstein sind am 6. Dezember 1941 nach Riga in Lettland verschleppt worden – drei Frauen und fünf Männer von ihnen erlebten das Ende des Zweiten Weltkriegs. Insgesamt 1225 Männer, Frauen und Kinder aus dem Norden wurden Opfer des nationalsozialistischen Judenmords. “Die jüdische Minderheit in Schleswig-Holstein” ist der Untertitel eines fast 800 Seiten starken Bandes, der jetzt unter dem Titel “Abseits der Metropolen” im Wachholtz-Verlag erschienen ist. Damit liegt erstmals eine Gesamtdarstellung der Geschichte der Juden im Land zwischen den Meeren vor. Herausgeber Prof. Gerhard Paul von der Universität Flensburg lobte das Werk bei der Vorstellung am Donnerstag als exzellenten Beitrag zur Erforschung des Judentums in Deutschland insgesamt und im Norden ganz speziell.
Vom beginnenden 17. Jahrhundert bis in die Frühphase der Bundesrepublik erstreckt sich die Darstellung. In der frühen Nachkriegszeit war das jüdische Leben im Land praktisch tot, nachdem die wenigen Überlebenden des Holocausts nach Israel und in die USA ausgewandert waren, erklärte die Autorin Bettina Goldberg. Die Geschichtslehrerin und Lehrbeauftragte an der Uni Flensburg hat für ihre Arbeit 22 Archive in Deutschland, Israel und den USA besucht, analysierte zahlreiche Dokumente aus Privatbesitz und führte 80 Interviews mit ehemals in Schleswig-Holstein lebenden Juden.
Bereits 1996 hatte Goldberg mit ihren Recherchen begonnen. “Das jüdische Leben hier war sehr vielfältig”, sagte sie. Allerdings lebten auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes laut Volkszählung von 1925 nur 1940 bekennende Juden: 0,13 Prozent der Gesamtbevölkerung und 0,34 Prozent aller Juden im Deutschen Reich. Zwei Drittel aller Juden lebten in den großen Städten Kiel und Lübeck. Goldberg untersuchte aber auch das jüdische Leben in kleinen und mittleren Städten. Nach Einschätzung Prof. Pauls setzt Goldbergs Studie auch bundesweit Maßstäbe. Es beinhalte die dichteste Beschreibung jüdischen Lebens von 1918 bis in die Nachkriegszeit. Das Buch ist in 800 Exemplaren erschienen
Das Buch

Wachholtz Verlag Neumünster
“Abseits der Metropolen – Die jüdische Minderheit in Schleswig-Holstein” von Bettina Goldberg ist sowohl beim Wachholtzverlag als auch bei der
Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein,
Kehdenstraße 27
24103 Kiel
Tel.: 0431 – 988 5937
Fax: 0431 – 9885942
E-Mail: info&@lpb.landsh.de
für 35,00 € zuzüglich 2,50 Versandkosten erhältlich.

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